GEMEINSCHAFTSBILDUNG

Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck oder auch "Wir-Prozess"

 

 

Den Sinn der "Gemeinschaftsbildung" könnte man mit den Worten Richard Beauvais (1964) beschreiben:

"Wir sind hier, weil es letztlich kein Entrinnen vor uns selbst gibt. Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht. Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es für ihn keine Geborgenheit.

Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich selbst noch andere erkennen - er wird allein sein.

Wo können wir solch einen Spiegel finden, wenn nicht in unserem Nächsten ....

Hier in der Gemeinschaft kann ein Mensch erst richtig klar über sich werden und sich nicht mehr als den Riesen seiner Träume oder den Zwerg seiner Ängste sehen, sondern als Mensch, der - Teil eines Ganzen - zu ihrem Wohl seinen Beitrag leistet. In solchem Boden können wir Wurzeln schlagen und wachsen: nicht mehr allein - wie im Tod - sondern lebendig als Mensch unter Menschen."

 

Über den Prozess der "Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck":

Gemeinschaft entsteht durch ehrliche, wahrhaftige Kommunikation, die Bereitschaft die Masken fallen zu lassen und den Mut, sich in seiner Verletzlichkeit zu zeigen. Durch das Erforschen der empfohlenen „Guide Lines“ kann im gemeinsamen Ringen um Wahrhaftigkeit, das heilende Potential von Gemeinschaft erfahren werden. Eine der Kernqualitäten der Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck ist das Lauschen nach Innen und das Wahrnehmen der eigenen Impulse. Hierbei interessieren uns vorrangig die Impulse, die nicht als Reaktion auf vorangegangene Beiträge geäußert werden, sondern im tieferen Wesenskern der Person begründet sind.

Im Rahmen eines wachen Gruppenfeldes kann so eine neue Qualität von Zeugenschaft, Präsenz und Achtsamkeit entstehen. Die Integration von Unterschiedlichkeit und Vielfalt innerhalb der Gruppe wird zur Grundlage für kollektives Wissen und Weisheit. Alles, was es für diesen segensreichen Prozess braucht, ist Selbstverantwortlichkeit und die Bereitschaft ein Risiko einzugehen, also: „Take a risk“. 

 

Was macht Gemeinschaftsbildung so attraktiv?

 

"Lange Zeit dachte ich, mein Ziel wäre der Gipfel. Aber am Gipfel ist es ja unwirtlich, windig, kalt, extreme Bedingungen eben. Dann wurde mir klar, dass mein Ziel die Rückkehr zu den Menschen, die Gemeinschaft ist."

(Reinhold Messner)

 

 

 

* * * Die "Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck" wird unter Insidern auch einfach "CB" genannt, abgeleitet vom engl. Communitybuilding. In Deutschland wird auch manchmal vom "Wir-Prozess" (z.B. Schloss Tempelhof) geredet. Viele Gemeinschaften wenden die Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck regelmäßig an, da es ein sehr freier Prozess mit wenig Regeln ist, aber auch für laufende Gruppen ist er sehr geeignet.